Albert Baur
(1835–1906)
Baur, Albert, dt. Maler, Illustrator, *13.7.1835 Aachen, †7.5.1906 Düsseldorf. Erste künstler. Anleitung 1854 in Düsseldorf bei Wilhelm Sohn nach Abbruch des Medizin-Stud. unter dem Eindruck der Karlsfresken von Alfred Rethel in Aachen. Stud.: 1855/56 Akad. Düsseldorf bei Carl Ferdinand Sohn und Christian Köhler (Historienmalerei); daneben Privatunterricht bei Josef Kehren; nach Militärdienst 1861 Stud. bei Moritz von Schwind in München. 1863 Rückkehr nach Düsseldorf und selbständig tätig; erste Aufträge zu mon. Arbeiten. 1866 voll. er das in München beg. Bild Die Überführung der Leiche Otto III. von Italien nach Deutschland (verschollen) im Auftrag der Verbindung für hist. Kunst. 1867 Berufung an die Kunstschule Weimar, die er erst 1872 nach Studienreisen durch Frankreich, Holland und Italien annimmt (u.a. Lehrer von Carl Gehrts und Ferdinand Brütt). Nach archäol. Stud. wendet er sich dem antiken Genre zu, daneben entstehen Gem. mit hist. Themen (Otto I. an der Leiche seines Bruders Thankmar, kleine Fassung, ehem. Barmen, verschollen). Ab 1874 wieder in Düsseldorf ansässig mit priv. und öff. Aufträgen, u.a. zu mon. Fresken zur Gesch. und Zeit-Gesch. (z.B. für den Sitzungssaal des Rathauses Die Besitzergreifung von Düsseldorf durch den brandenburg. Kommissar Stephan von Hertefeld 1609, 1891-96; 4 Allegorien der bürgerl. Tugenden, 1894-96, beide nicht erh.). Zahlr. Ausz.: Prof. der Akad. München; 1880 Düsseldorf, Kleine Gold-Med. für Kunst; Roter-Adler-Orden; Waldeck'scher Verdienstorden; Offizierskreuz des Ordens der Eichenkrone. – Seine häufig vielfigurigen Kompositionen in kräftigem Kolorit und detailreicher, lebendiger Ausführung basieren auf umfangreichen Natur-Stud. Mit reicher Dekoration und allegor. Beiwerk verfolgt sein Werk häufig eine belehrende Absicht. – Weitere nicht erh. Werke: Aufzug der Kölner Geschlechter im Dombau-Festzug, Wandbild, 1881 (Köln, Gürzenich, Saal); Fortuna, flankiert von Darst. des Handels und der Industrie, Deckenbild, 1871/72 (Villa Mevissen, Treppenhaus); Zyklus zur Gesch. der Seidenindustrie in Europa, Wachsfarbe/Lw., 1887-1902 (Krefeld, Kgl. Textilschule).
WERKE AACHEN, Rathaus, Treppenhaus: Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt Aachener Bürgern den Eid ab; Die Entdeckung der Aachener warmen Quellen durch Ganus Serenus, Fresken, 1898. – Suermondt-Ludwig-Mus.: Röm. Idylle, Öl. BERLIN, Nat.-Gal.: Christus als Weltrichter, Zchng, Karton zum Wand-Gem. des Schwurgerichtssaals in Elberfeld, 1865 (1867-69 in Ölwachsfarbe ausgef., nicht erh.). DÜSSELDORF, Kunst-Mus.: Christl. Märtyrer aus der röm. Kaiserzeit, Öl, 1870; Die 3 Frauen am Grab, Öl, um 1895/1900 (Dauerleihgabe der Akad.).
AUSSTELLUNGEN G: 1876 München, Glas-Pal. / 1882 Wien, Kunst-Ausst. (Am Morgen nach der Grablegung) / 1886 Berlin, Akad.: Jubiläums-Ausst. / 1979 Düsseldorf, Kunst-Mus.: Die Düsseldorfer Malerschule (Kat.).
BIBLIOGRAPHIE ThB3, 1909. Meyer, KL III, 1885; Ries, 1992. – M.Bernhard, Verlorene Werke der Malerei, B. 1965; I.Markowitz, Die Düsseldorfer Malerschule, II, Dd. 1969, 41 ss. (Kat.); id., in: E.Trier (Hrsg.), 200 Jahre KA Düsseldorf, Dd. 1973, 47-84; K.Löcher, Die Staufer in der bild. Kunst, I, St. 1977, 300; Trier/Weyres III, 1979, 184 ss., 391; W.Hartmann, Wallraf-Richartz-Jb. 41:1979/80, 223-243; H.-T. Wappenschmidt, Stud. zur Ausstattung des dt. Rathaussaales in der 2.H. des 19. Jh. bis 1918, Bonn 1981, 78 ss., 141 ss.; M.Wagner, Allegorie und Gesch., Tübingen, 1989, 250-260.
Gudrun Schmidt-Esters
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