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DEEN
Werk von Hieronymus Hess
Künstler

Hieronymus Hess

(1799–1850)

Biogramm

Lehre als Flachmaler, dann Schüler im Atelier des Malers Maximilian Neustück und zugleich bis 1816 Ausb. an der Zeichenschule Basel. Anschl. in der Kunsthandlung und Verlagsanstalt des Malers Peter Birmann tätig. 1817/18 kopiert H. in städtischem Auftrag im Großratssaal des Rathauses ebd. die 1817 wiederentdeckten Wandfresken mit Passionsszenen von Hans Holbein d.J. (1521/22, H.s Skizzen und Aqu. in Basel, Kpst.-Kab., seine 1829/30 danach ausgef. Lith. werden im Verlag von Birmann veröff.). Durch Birmann findet H. Kontakt zu dem Kunsthändler und Verleger C.T. Müller, der ihn 1819 in sein Atelier nach Neapel ruft, zu dem ebenfalls dort beschäftigten Maler Friedrich Salathé entsteht eine lebenslange Freundschaft (Der Maler F.Salathé, Gitarre spielend, Bleistift, sign., Basel, KM). Bis E. 1820 zeichnet und sticht H. für Müller eine Serie mit humorvollen neapolitanischen Volksszenen (gen. werden 14 Umrißstiche, u.a. Il Maccaronaro). Ein Stip. von Basler Mäzenen ermöglicht H. 1821-23 einen Aufenthalt in Rom, wo er im Kreis der Nazarener, v.a. von Friedrich Overbeck und Philipp Veit, sowie u.a. von Bertel Thorvaldsen, Christian Lotsch, Samuel Amsler und Joseph Anton Koch verkehrt, den er als Lehrer und Freund gewinnt (Halbfigurenbildnis des Malers J.A. Koch, Bleistift, Aqu., 1823, Basel, KM). In Rom ergänzt H. Lsch. seiner Malerfreunde mit Figurenstaffage und dokumentiert das ungezwungene Künstlerleben bildlich (Dt. Künstler-Ges. in Rom, Feder, aquarelliert, 1823, München, SM). Ab 1823 wieder in Basel. 1824 restauriert H. im Auftrag der Stadt die gen. Fresken von Holbein und setzt sich in diesem Kontext intensiv mit dessen Kunst auseinander. Durch Vermittlung von Thorvaldsen finanziert ihm Oberst Rudolf Emanuel Wettstein-Iselin 1825/26 einen Aufenthalt in Nürnberg, dort studiert er das Schaffen von Albrecht Dürer, zeichnet für Buchhändler und trifft sich mit Ludwig Richter sowie dem Porzellan- und Glasmaler Joseph Sauterleute. Ab 1826 endgültig wieder in Basel, in den 1830er Jahren zeitweilig Ateliergemeinschaft mit Konstantin Guise und Ludwig Adam Kelterborn. 1831-35 Lehrer an der öff. Zeichenschule. 1834-48 Mitarb. an den Basler Neujahrsblättern, ab 1839 auch an dem vom befreundeten und geistesverwandten Martin Disteli hrsg. Schweiz. Bilderkalender (Zchngn, u.a. politische Satiren). - H. gehört zu den begabtesten, vielseitigsten und eigenwilligsten Schweizer Künstlern der Romantik, der von der Malweise (nicht von der Thematik) der Nazarener, von Koch, indirekt auch von Dürer und von Sauterleute beeinflußt sowie von Holbein maßgeblich geprägt wird: Verwendung leuchtender Aqu.-Farben, treffsichere Erfassung der Wesenzüge seiner Modelle, Glasmalereientwürfe mit archit. Rahmungen im Stil der Renaiss. (die Beschäftigung mit den Basler Fresken zeigt sich bes. deutlich an der Zchng Totentanz, Bleistift, Feder, sign., dat. 1824, Basel, Kpst.-Kab.). H.s persönliche Tragik besteht im Zwiespalt zw. der immer wieder enttäuschten Überzeugung, zu einem erfolgreichen Historienmaler berufen zu sein, und den tatsächlichen Stärken, die auf dem Gebiet der Zchng und Karikatur bzw. im komisch-genrehaften Fach liegen und H. das Ansehen eines Kleinmeisters verschaffen, der zu Lebzeiten wie auch heute als lebendiger und scharfsinniger Karikaturist des Zeitgeschehens und seiner Mitbürger geschätzt wird. In der kleinstädtischen Basler Atmosphäre fühlt er sich wohl unverstanden und eingeengt, was eine gewisse Verbitterung und Spottlust hervorgerufen haben kann (Kuhn, 1981). Eine künstlerische Heimat findet H. vorübergehend im Kreis der Nazarener, bringt aber nicht die Konsequenz auf, Basel ganz zu verlassen. Aufgrund bemerkenswerter, in Rom vervollkommneter zeichnerischer Fertigkeiten (v.a. zeichnerische Finesse, klarer Aufbau, sichere Linienführung) in Verbindung mit ausgeprägter Beobachtungsgabe, Humor und der Fähigkeit, mit scharfem Blick rasch die Wesenszüge und Physognomien seiner Modelle zu erfassen, ist er für Karikaturen, Portr. und humoristisch-satirische, auch politische gesellschaftskritische Darst. prädestiniert. Mit Treffsicherheit und feinsinnigem Humor, teilw. auch beißendem Spott zeichnet er zumeist aquarellierte Karikaturen und Portr. von Basler Persönlichkeiten und schildert die kleinbürgerliche Idylle seiner Heimatstadt in humorvollen volkstümlichen Genreszenen. Dazu kommenn ähnliche Episoden aus Neapel und Rom (Röm. Straßenszene, Bleistift, Feder, Basel, KM). Außerdem fertigt er allegorische Darst., politische wie auch antiklerikale Satiren und versucht sich im hist. Fach (allerdings gelten seine für die Nazarenerschule typischen Darst. als blaß und unpersönlich mit wenigen Ausnahmen wie Die Ermordung König Albrechts I. bei Windisch, Öl/Holz, 1829, Basel, KM). Relig. Themen behandelt H. fast nur bei Auftragswerken und zwar in einer recht unbekümmerten, humorvoll-ironischen Auffassung (Die Judenpredigt in Rom, Feder, Aqu., Deckfarben, sign., dat. 1829, Hw., Basel, Kpst.-Kab., Kreide-Lith. von Guise, um 1834). Auch technisch vielseitig, fertigt er Zchngn, graph. Arbeiten (Kpst., Rad., Lith.), Aqu. und Ölbilder. Dazu kommt eine langjährige Entwurfstätigkeit für kunsthandwerkliche Arbeiten. 1828-34 zeichnet H. im Auftrag des Basler Bildherhändlers Johann Rudolf Brenner Vorlagen mit anekdotenhaften bzw. humoristischen Genreszenen und volkstümlichen Figuren, nach denen der Töpfer Anton Sohn bemalte Terrakottafiguren fertigt, die unter der Bezeichnung Zizenhausener Figuren große Popularität erlangen (H.s Entwürfe in Basel, HM). Zw. 1829 und '49 liefert H. zahlr. Entwürfe für Glasmalereien, wozu ihm Sauterleute wahrsch. entscheidende Impulse vermittelte. Seine zahlr. Studien, Entwürfe und Kartons zu Scheibenensembles und Einzelstücken, zumeist mit hist., biblischen oder allegorischen Darst. sowie ganzfigurigen Portr. von Persönlichkeiten (zahlr. erh., Basel, Kpst.-Kab.) führen größtenteils die mit H. befreundeten Glasmaler und Gebrüder Andreas und Lorenz Helmle aus, Hw.: zwölfteiliger Zyklus für den Sitz der Allg. Lese-Ges., 1833 (Basel, Münsterplatz 8, Glas-Gem. in situ, bes. die Allegorie der Künste und die Allegorie der Wiss.), Scheibenzyklen für das gotische Rondell im "Haus zum Schöneck" ebd., 1843-45, und für Schloß Klybeck in Kleinbasel, 1845/46, Scheibenentwürfe für das Schloß Teufen/Zürich, ab 1849 (bis zum Tod nicht voll., darunter eine von H.s wenigen bemerkenswerten hist. Szenen: Schlacht bei St. Jacob an der Bis im Jahr 1444). Der Glasfensterentwurf Gesslers Tod (kol. Feder-Zchng, 1824, Basel, Kpst.-Kab.) ist kunsthist. relevant als frühestes bek. Zeugnis für die als H.s Verdienst geltende Wiederbelebung der Glasmalerei in Basel und zeigt aufgrund der leuchtenden Aqu.-Farben einen Aspekt des Einflusses von Holbein. H.s Glasmalereientwürfe sind so sorgfältig gez., daß sie geeignete Vorlagen für die graph. Reprod. darstellen und auf diese Weise zur überregionalen Verbreitung seines Œuvres beitragen.
Werke

Basel, KM, Gem.-Slg und Kpst.-Kab. (umfangreiche Slg mit Zchngn, Ölskizzen, Aqu., darunter zahlr. Glasmalereientwürfe). - HM. Bremen, KH (Aqu.). Dresden, Kpst.-Kab. München, SM. Olten, KM. Wien, ABK, Kpst.-Kab. Zürich, Kunsthaus, GrS.
Ausstellungen

E: 1949 Basel, KM (K) / 1996 Olten, KM (K: C.Dietschi).
Bibliographie

ThB16, 1923. Flemig, 1993, DA XIV, 1996, BLSK I, 1998 (Lit.). H.Kuhn, H.H. Ein Basler Karikaturist des 19. Jh., Basel 1981, Das Aqu. von Dürer bis Nay. Meisterwerke aus sechs Jh. aus dem Bes. der KH Bremen (K), Bremen 1984, P.Dittmar, ZAK 45:1988(2)117-128, Y.Boerlin-Brodbeck, Schweizer Zchngn 1800-1850 aus dem Basler Kpst.-Kab. (K), Basel 1991, D.Gamboni/G.Germann (Ed.), Zeichen der Freiheit (K), Bern 1991, Künstlerleben in Rom (K Nürnberg/Schleswig), Nü. 1991, E.Vaasen, Bilder auf Glas, M./B. 1997 (Kunstwiss. Stud., 70), A.Nagel/H.von Roda, "... der Augenlust und dem Gemüth". Die Glasmalerei in Basel 1830-1930, Basel 1998, H.H. Bürger, Außenseiter und Verlierer (K), Basel 1999, D.Parello, Von Helmle bis Geiges. Ein Jh. historistischer Glasmalerei in Freiburg, FiB. 2000, C.Reiter, Wie im wachen Traume (K ABK, Kpst.-Kab. Wien), Sg. 2006. Online: Hist. Lex. der Schweiz, SIKART Lex. und Datenbank.
Artikel aus Thieme-Becker
Biogramm

Hess, Hieronymus, Maler und Graphiker in Basel, geb. ebenda 1799, † ebenda 8. 6. 1850, Schüler von M. Netzstück in Basel (aus dieser Zeit Aquarellbildnisse, u. a. eine Gruppe von Künstlern im Atelier Neustücks, und die Mitglieder der Basler Künstlergenossenschaft 1818, auch kleine Historien- u. Genrebilder, Nachahmungen M. Wochers, i. Bes. des Basler Kunstvereins und der Kunstsammlg ebenda), hielt sich 1819/23 in Italien (Neapel, Rom) auf, wo er Schüler von J. A. Koch, (beteiligt an der Abfassung von dessen "Moderne Kunstchronik") war und mit Overbeck, Veit u. a. verkehrte. Nach einem auf Empfehlung von Thorvaldsen ermöglichten Studienaufenthalt in Nürnberg (1825/26) ansässig in Basel, hier zeitweise Lehrer an der Zeichenschule. Von den Nazarenern und von Koch beeinflußt zeigt sich H. in seinen wenig zahlreichen, künstlerisch, namentlich koloristisch unerfreulichen religiösen und Historienbildern. Hervorragend war seine Begabung auf dem Gebiet der gesellschaftl. Karikatur, als deren Meister in der Schweiz er gilt, entscheidende Anregungen scheint er in Nürnberg durch zeitgenöss. Flugblätter empfangen zu haben. Seine mehr gutmütig als scharf satirischen, genrehaft ausgeführten, meist aquarellierten Karikaturen erlangten eine große Popularität und wurden z. T. graphisch vervielfältigt. Mehrfach war H. auch für das Kunsthandwerk tätig: Entwürfe für Glasgemälde (für die Glasmaler Heimle, Glasgemälde der Basler Lesegesellsch., Kartons in der Kstsamml. Basel), Entwürfe für kleine, handkolorierte Terrakotta-Statuetten und -Gruppen, 1827/33 von dem Basler Töpfer Brenner gefertigt (Schweizer Landesmus. Zürich und Histor. Mus. Basel). Kupferstiche H.s sind aus seiner italien. Zeit bekannt: 14 in Neapel entstand., zur Kolorier. bestimmte Umrißstiche (Szenen aus dem neapolit. Volksleben) und einige Einzelblätter, darunter das satirische "Einst und Jetzt" (Begegnung des hl. Hieronymus mit einem modernen Kardinal). Von H.s Lithographien zu nennen "Die Proposition" (1830), "Morgenstreich in Basel" (1843), "Lucerna" (Kulturkampfblatt). - H. fertigte auch reproduktive Arbeiten, so 1817 die für die Forschung wichtigen, wenn auch wenig getreuen ("in unerträglicher Weise verroht und verflacht") Kopien der Überreste von Holbeins Basler Rathausbildern (Tod des Charondas, Blendung des Zaleukos, Curius Dentatus) i. Bes. der Kstsammlg Basel, ebenda sein Aquarell des Münstertaufsteins von 1818 und Kopien des Holbein'schen Bauerntanzes und des Totentanzes an der Predigerkirche (G. Hasler gab einen Totentanz in 40 Lithogr. von H. Dantzer nach Zeichnungen H.s heraus), 8 Federzeichn. der Passion nach Holbeins Basler Altarflügeln (lithogr. von H. J. Oeri u. a. für den Verlag Birmann), 1834 Zeichn. nach der Holbein'schen Kreuzabnahme aus der Luzerner Barfüßerkirche (dieses Bild damals i. Bes. des Malers M. Wocher, heute verschollen). - Von H.s Werken (Verzeichnis bei Im Hof, vgl. die Ergänzungen bei Brun) besitzt die Kunstsammlg Basel (Katal. 1910) außer einer reichen Sammlung von Olskizzen, Aquarellen und Zeichn. 2 Aquarelle: "Judenpredigt in Rom" (1829, Vorzeichn. im Dresdner Kupferstichkab.) und. ,Gant auf der Schmiedenzunft" (1838, dazu Olskizze, lav. Bleistiftstudie im Mus. Solothurn) und 2 Ölbilder: "Schlacht bei St. Jakob an der Birs" (1838, nebst Federstudie dazu) und "Ermordung König Albrechts", das Mus. zu Solothurn (Katal. 1915 p. 75) die Federzeichn.: "Schützenfest in Basel", das Zürcher Kunsthaus 11 BL Karikaturen, die Wiener Akad. eine aquarell. Miniatur, das Dresdner Kupferstichkab. zahlreiche Zeichn. (aus der Sammlg. Cichorius, Skizzenbuch mit 66 Karikaturen, Skizzen zum "Totentanz" u. a., ferner gez. Porträts der Maler H. Disteli, J. A. Koch [Karikatur] und des Stechers P. Vischer). In den Künstlerbüchern des Basler Kunstvereins ist H. mit 6 Bl. vertreten, mit Aquarellen und Zeichn., u. a. 2 Porträts von Koch, im Merian-Album des Kunstvereins. Füßli sah im Basler Schützenhaus ein Aquarell, "Tells Schuß". - Nach H. lithographierten u. a. H. Dantzer (Totentanz s. oben, "Päpstliche Kapelle"), K. Guise ("Judenschule", "Judenbekehrung"), J. F. Hasler ("Schlacht bei St. Jakob", "Hasens Bußpredigt" für Distelis "Reineke Fuchs", "Deutsche Republik auf der Schusterinsel", 1848). S. Amsler stach Zeichnungen H.s nach Thorvaldsens "Alexanderzug". - H.s Bildnis, Aquarell von J. F. Dietler (1846), in der Kunstsammlg Basel, sein Olbildnis und eine 1843 von L. F. Schlöth modellierte Statuette im Bes. des Basler Kunstvereins, 2, von F. A. Krüger und Emilie Linden gezeichnete Porträts im Dresdner Kupferstichkab. (Katal. d. Bildniszeichn., 1911 No 362/3, vgl. auch No 156, 448, 979). Im Hof, Der Historienmaler H. H. von Basel, 1887, reich illustr. (nicht benutzt). - Brun, Schweiz. Kstlerlex., II (1908), IV (1917) 537 f. - Kstblatt, 1824, 1828, 1830. - Füßli, Zürich u. die wichtigsten Städte a. Rhein, 1842 p. 281, 362. - Nagler, Kstlerlex., VI, ders., Monogr., III. - Weigel's Kstcatal., Leipzig 1838/66, II 11577, IV 20265. - F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jahrh., I 2 (1895). - Jahrbuch d. preuß. Kstslgn, XVII (1896) 77ff. - Jahresber. Schweiz. Landesmus., VII (1898) 56. - Heer, Schweiz. Malerei d. 19. Jahrh., in N.-Bl. d. Kstver. Glarus, 1906 p. 38 f. - Mitt. a. d. sächs. Kstslgn, 1 (1910) 104. - Kat. d. Mittelalt. Slg Basel, 1890 p.99. - Mitteil. v. Fr. Noack nach: Akten d. dtsch. Bibl. Rom, A. L. Richter, Lebenserinnerungen, 1890 p. 141 f.

Geboren
1799 in Basel, Schweiz
Gestorben
1850 in Basel, Schweiz
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Verfügbare Werke

Selbstbildnis Hans Holbein d.J.
Hieronymus Hess nach Hans Holbein d. J.
um 1820 · Radierung
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Kampf in der Schreibstube
Hieronymus Hess zugeschrieben
um 1830 · Bleistift
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