Jakob Fürchtegott Dielmann
(1809–1885)
Dielmann, Jacob (Jakob) Fürchtegott, dt. Maler, Zeichner, Lithograph, Radierer, *9.9.1809 Sachsenhausen (heute zu Frankfurt am Main), †30.5.1885 Kronberg im Taunus. Stud.: 1825-27 am Städelschen Kunst-Inst. Frankfurt am Main Freihandzeichnen in der Elementarklasse von Carl Friedrich Wendelstadt. Danach weiterer Zeichenunterricht am Städel und Arbeiten für Frankfurter Kunstverlage. A. der 30er Jahre Zeichner und Kopist in der Lith. Anstalt Vogel & Fink, wo er mit Jakob Becker (gen. Becker von Worms) zusammenarbeitete. 1833 entstand in Vogels Auftrag das Vogelsche Rheinpanorama, das die beiden Rheinufer von Koblenz bis Mainz auf 44 Meter Länge wiedergab (Lith. von A.Fay). 1834 schuf D. 28 Vorlagen zu Maler. Ansichten der Bäder Wiesbaden, Schlangenbad, Ems und ihrer Umgebung sowie die Vorlagen-Zchngn und Lith. für zwei kostümkundl. Alben (Gruppen dt. National-Trachten, 13 Taf., Ffm. 1834, und Les Modes depuis 1515 jusqu'à 1834, ou Coll. de seize Costumes les plus marquants des deux Sexes. Dessiné d'après des originaux authentiques et lithographiés, Ffm. 1834). 1835 erhielt D. durch Vermittlung des Malers Philipp Veit ein Stip., das ihm ermöglichte, seinem Freund J.Becker an die Düsseldorfer KA zu folgen: 1836 Landschaftsklasse von Johann Wilhelm Schirmer, 1837-1841/42 Meisterklasse (v.a. Genremalerei). Auf Wanderungen in der Umgebung skizzierten D. und Becker und widmeten sich bes. dem Naturstudium. Seit 1835 malte D. in Düsseldorf kleinformatige Öl-Gem. und Aqu. mit genrehaft staffierten rhein. Lsch.-Darst. (Lsch. mit einem Heiligenhäuschen ..., 1835, Abend-Lsch. mit Figuren, 1835), Veduten von Städtchen an Rhein und Lahn sowie reine Genre- bzw. Figurenszenen aus dem dörfl. Leben, bes. mit Kindern (zahlr. Ankäufe durch die KV für die Rheinlande und Westfalen und in Frankfurt am Main). In Düsseldorf Freundschaft zum balt. Maler Gerhardt von Reutern, der D. 1841 zu Studien in der Schwalm ermuntert, die er später auch mehrfach besuchte (Darst. von Trachten, Bräuchen und Sitten). Kehrte 1842 zus. mit Becker nach Frankfurt am Main zurück und bezog ein Atelier im Städelschen Kunstinstitut. 1843 bereiste D. den Rhein vom Bodensee bis zur Mündung in Holland, um die Ansichten für ein geplantes Album des Rheins zeichnen zu können, 32 dieser Aqu. wurden 1845 bei Vogel & Fink als Stahlstiche reprod. (1846 engl. und frz. Ausg.). Ab 1842 in Frankfurt enge Freundschaft zu Anton Burger. Mit ihm und Angilbert Göbel, Jacob Maurer und Philipp Rumpf künstler. Arbeit im "Totenbund". D. malte weitere Motive des dörfl. (Die Weinlese, 1850) und städt. Lebens (Brauhaus in der Gelnhäuser Gasse zu Frankfurt am Main, 1848), wandte sich dann aber zunehmend den Lsch. von Main, Mittelrhein, Ahr und Lahn, des Westerwaldes, der Wetterau und bes. des Taunus b. Falkenstein und Cronberg (heute Kronberg) zu (Öl-Gem. und Aqu.). Zu D.s Ill. zählen u.a. 21 nach Zchngn von Alfred Rethel lithogr. Umrisse für den Rhein. Sagenkreis von Adelheid von Stolterforth, Ffm. 1845. Außerdem arbeitete D. zus. mit Burger in den 50er Jahren an zahlr. Aqu. mit Frankfurter Straßenbildern und Interieurs, die im Verlag Carl Jügel als Stahlstiche erschienen. A. der 60er Jahre übersiedelte D. endgültig nach Kronberg und gilt mit Burger als Begründer der "Kronberger Malerkolonie". Ab 1875 aus gesundheitl. Gründen nur noch selten künstler. tätig, die Freunde Burger und Adolf Schreyer halfen zuweilen bei der Voll. von Bildern. 1885 umfaßte eine Ausst. von D.s Nachlaß in Frankfurt am Main 14 kleine Öl-Gem., 227 Aqu. und Zchngn, das Erbe bestand außerdem aus vielen ledigl. beg. Bildern, die Burger einfühlsam und selbst von Kennern unbemerkt fertiggestellt haben soll, um D.s Witwe Einkünfte zu verschaffen. Als Graphiker fertigte D. Lith. mit Alt-Frankfurter humorist. Motiven und eine Rad. (Amme, einem Kind das Essen reichend), ferner beteiligte er sich 1837 mit der Rad. Sonntags am Rhein an Robert Reinicks "Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde" (Dd. 1838) und an dessen "Dt. Dichtungen mit Randzeichnungen dt. Künstler" (2 Bde, Dd. 1843). Eine Reihe seiner Werke vervielfältigte D. durch eig. Rad., Repr. fertigten u.a. Jakob Ludwig Buhl, Franz Heister (Die Weinlese, Lith.), J. [Friedrich?] Jentzen (Hess. Landmädchen, Lith.). – Nach den frühen, topograph. exakten Veduten fand D. in den sieben Düsseldorfer Jahren und während der Studienreisen seinen char., bis zum Lebensende beibehaltenen Stil, mit dem er meist anekdotenhaft idyll. Sitten- und Volksleben schilderte. Bedeutender als die Genreszenen sind D.s Lsch.-Darst., die kolorist. mit der zum Impressionismus führenden Entwicklung der zeitgen. frz. Malerei einhergehen. Zeitgenossen bemerkten, daß D. die Technik der Ölmalerei nicht ohne Mühe handhabte und bewerteten dessen Aqu. und Zchngn höher. – D. porträtierten: Carl Bennert (Frankfurt am Main, Städel, Öl), Friedrich Boser (Düsseldorf, SM: Öl, 1841, in: Tafel mit 57 Bildnissen Düsseldorfer Künstler), A.Burger (Frankfurt am Main, Priv.-Bes., und Düsseldorf, KM: Karikatur auf Anton Burger, D. und Philipp Rumpf, Zchng), Hugo Kauffmann (Frankfurt am Main, Städel, Bleistift, 1861), Heinrich von Rustige (Düsseldorf, KM: Vier Täfelchen mit Gruppen-Portr., Öl, 1836).
WERKE BURSCHEID, Stiftung Paul Luchtenberg, Slg Paul Luchtenberg: Geistlicher und Kinder vor einer Kapelle, Aqu., 1843. DÜSSELDORF, KM. FRANKFURT am Main, HM. – Städel: u.a. ca. 200 Zchngn und Entwürfe. KASSEL, Neue Gal. KRONBERG im Taunus, Mus.-Ges. MAINZ, LM. MARBURG, Univ.-Mus. WORMS, Mus. Kunsthaus Heylshof.
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Carsten Roth
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