Ludwig Friedrich
(1827–1916)
Friedrich, Ludwig (Gotthelf Emil Louis, Emil Ludwig, Louis), dt. Maler, Zeichner, Kupferstecher, *22.6.1827 Friedrichstadt (heute zu Dresden), †1.1.1916 ebd. Sohn des Stillebenmalers August F. Stud.: 1842-49 KA Dresden. Nach dem Tod des Vaters 1843 halbjährige Unterbrechung des Stud. und Tätigkeit als Zeichenlehrer in Polen, um das Familienauskommen zu sichern. Ab 1847 als Hospitant im Atelier von Ludwig Richter Ausb. im Zeichnen und Aquarellieren (ohne zu dessen Lsch.-Kl. zu gehören). Wohl aus finanziellen Gründen Wechsel der Fachrichtung und ab 1849 Schüler bei dem Kupferstecher Julius Cäsar Thaeter an der Dresdner KA. Als dieser E.1849 als Prof. an die Münchner Akad. berufen wird, folgt ihm F. für sechs Jahre dorthin. Bei Thaether erlernt er den streng zeichner. Linienstich und reproduziert in dieser Manier Werke von Moritz von Schwind (Die sieben Raben, Der Sängerkrieg auf der Wartburg), Julius Schnorr von Carolsfeld (Leben und Taten des Siegfried, 1852/53, nach den Lünetten im Nibelungensaal der Münchner Residenz, gezeigt 1903 Dresdner Akad.-Ausst.), Wilhelm von Kaulbach, Peter Cornelius und Karl Friedrich Veit. Mitarb. an den von Ernst Förster ed. Bdn Denkmale dt. Baukunst ... . Daneben Stiche von Bildnissen, Akten und Gewändern und Lsch.-Zchngn (z.B. Erntetag am Starnbergersee, München, Lenbachhaus). 1855 Rückkehr nach Dresden, wo er vom Verkauf von Aqu.-Bildnissen und kleineren Lith. lebt. Für die Mitgl. des Sächs. KV liefert er regelmäßig Jahresgaben und fungiert als eine Art Hauskupferstecher. Das erste Bl. entsteht 1859 nach Josef Mathias von Trenkwalds Tetzels Ablaßpredigt, das letzte 1898 nach Adolf Schreyers Artilleriekampf, dazwischen erschienen zahlr. Bll. nach Gem. sächs. Künstler. 1859-62 im Atelier des Akad.-Prof. und Dir. des Dresdner Kpst.-Kab. Ludwig Gruner tätig, der ihn in der Technik des Tonstiches unterweist. F.s erstes wichtiges Bl. in dieser Technik ist die Wiedergabe von Jacob Isaacksz. van Ruisdaels Judenfriedhof bei Oudekerk, gestochen 1863/64 (1865 gezeigt auf der Dresdner Akad.-Ausst. und im 1870 erschienenen dritten Bd des Dresdner Galeriewerkes enthalten). Weitere Kpst. entstehen nach Gem. in Dresdner Slgn, u.a. Maria mit dem Kind von Bartolomé Esteban Murillo, Die Ruhe auf der Flucht nach Ferdinand Bol und für das Neue Galeriewerk von Alexandre Calame Der Waldstrom sowie nach Rudolf Jordans Rettung aus dem Schiffbruch (Dresdner Akad.-Ausst. 1883). 1864-66 arbeitet F. an einem großen Bl. nach Ludwig Richters Brautzug im Frühling. Insgesamt sticht er sieben Bll. nach Gem. Richters und radiert nach Werken der Richter-Schüler Albert Venus, Carl Wilhelm Müller, Rudolf Schuster und Eduard Leonhardi. Die Rad. wird zur dritten graph. Technik, mit der F. sich mit großem Erfolg auseinandersetzt. Völlig ohne Vorzeichnung fertigt er die Rad. Simson, an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend nach dem Gem. Rembrandts in der Dresdner Galerie. F. unternimmt mehrere Studienreisen, die er anschl. in seinen Werken verarbeitet: 1859/60 erscheinen acht Rad. mit Ansichten der Sächs. Schweiz, von einer viermonatigen Italienreise 1873 zeugen 30 Aqu. und Zchngn, Reisen in die Alpen sind für die Jahre 1878 und 1884 nachweisbar. In seiner sächs. Heimat zeichnet, tuscht und aquarelliert F. zahlr. Bll. mit Bau- und Naturdenkmälern (Schlösser, Burgen, Kirchen, Städte, Bauerngehöfte, Dorfkerne, Bäume und geolog. Formationen). Er fertigt Bildniszeichnungen u.a. von Ludwig Richter, Ernst Rietschel und seinem Onkel Carl F. Weitere Belege für das breitgefächerte Spektrum F.s sind seine Vorlagen für Hschn., u.a. für Adelswappen, zur Ill. von Werken zur dt. Gesch. und für eine in Leipzig publ. Künstlerbibel. Als Reproduktionsgraphiker kopiert er Gem. der Dresdner GG, radiert nach Fotogr. von Hermann Krone und fertigt für mehrere Bildhauer Zchngn nach deren Werken an (u.a. Johannes Schillings Die vier Tageszeiten auf der Brühlschen Terrasse in Dresden). Daneben auch als Lehrer für Zeichnen, Aquarellieren und Radieren tätig, zu seinen Schülern gehört der seinerzeit bedeutendste russ. Radierer Nikolaj Semenovic Mosolov. Bis 1903 ist F. auf den Ausst. der Dresdner KA vertreten, 1902 zum Kgl. Prof. ernannt. Da er Zeit seines Lebens kein offizielles Amt innehatte und somit nicht pensionsberechtigt war, kennzeichnete Armut sein Alter. Bildnisse F.s sind von Richard Petri (1849), Günther Reibisch und Carl Bertling bekannt. Letzteres radierte F. selbst 1889 unter dem Titel Der Raucher (acht Zustandsdrucke der Kupferplatte vom ersten Ätzdruck bis zum voll. Blatt im Dresdner Kpst.-Kab.).
WERKE Zchngn: COBURG, KS der Veste: Landstraße mit Bauernfuhrwerk. DRESDEN, Kpst.-Kab.: Lsch. mit altem Eremit, Lsch. mit Pilgerzug und Ziegenherde, Lsch. mit drei Pilgern, Lsch. mit stillender Mutter, Lsch. mit Hirschhorn am Neckar (alles Pausen nach Carl Philipp Fohr), Szene in Rom, Trastevere, Blick von der Rottmannshöhe, 1850, St. Afra in Meißen, Die Brießnitzer Kirche, Jagdhaus Siebeneichen, 1867, Die Voigtsburg, Schloß Hinterglauchau, Das Dorf Plauen bei Dresden, Kirche zu Mahrsbad, Kirche zu Geyer, Am Großen Garten, Bergfeste Hohenwerfen mit dem Städtchen Werfen, 1884 (seit 1945 vermißt), Bildnis Adrian Ludwig Richter, 1850, Bildnisskizze Felix Draeseke, Bildnis des Historienmalers Hermann Collischonn, Bildnis des Hofblumenmalers Carl (Jacob Benjamin) Friedrich, Bildnis des Holzschnitzers Gerhard Jördens, Bildnis des Bildhauers Wilhelm Schwenk, Ein Faun lernt dem kleinen Satyr das Beckenschlagen (Druckplatte für Holzstich). – SM: Bildnis Louis Nitzschke, 1843, Blick vom Elbufer bei Cotta, 1848, Bildnis Felix Draeseke, 1859, Doppelbildnis des Musikers Bähr und des Komponisten Kretzschmer, 1859, Bildnis Friedrich August Oswald Kleinig (alles Bleistift-Zchngn), Auf dem alten Johannisfriedhof nach einem Gewitter, 1846, Auf dem eingegangenen Johanniskirchhofe, 1846, Dresden im Ostragehege, 1901 (alles aquarellierte Bleistift-Zchngn), Mühle, Sepia, 1861, Dorfstraße an der Weißeritz in Plauen b. Dresden, Aqu., 1847, Erat. Blöcke, Ölskizze, 1854. MÜNCHEN, Lenbachhaus: Erntetag am Starnbergersee. STUTTGART, SG, GrS: Ansicht von Rom, Die Rochsburg, 1847.
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Martin Schuster
- Tätig im
- 19. Jahrhundert
- Tätigkeit
- Maler · Zeichner · Kupferstecher
- Geboren
- 1827 in Dresden-Friedrichstadt, Deutschland
- Gestorben
- 1916 in Dresden-Friedrichstadt, Deutschland
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