Otto Donner von Richter
(1828–1911)
Donner von Richter, Otto (Otto Philipp), dt. Maler, Radierer, Kunsthistoriker, Archäologe, *10.5.1828 Frankfurt am Main, †13.11.1911 ebd. Stud.: 1843-47 Städelschule ebd. bei Philipp Veit, Jakob Becker und Johann David Passavant, beeindruckt von den Romantikern Edward Jakob von Steinle und Moritz von Schwind. 1847/48 bei Delaroche in Paris, 1848-51 in München bei Carl Rahl, Bonaventura Genelli und Schwind, der ihn am stärksten beeinflußt. Eine 1851 bei einer Wanderung mit Schwind erlittene Knieverletzung zwingt D. zu fast zehnjähriger Untätigkeit. 1867 erleidet er noch eine Armverletzung. Beides begünstigt D.s theoret. Forsch. zur antiken Malerei und zur Kunstgeschichte. 1852-54 Italienreise und Kontakt zu namhaften Künstlern und Literaten. 1853-55 zeitweise zus. mit seinem Studienfreund Karl Mossdorf Mitarb. von Schwind bei den Fresken im Landgrafenzimmer der Wartburg b. Eisenach. 1859-61 malt D. in einem Frankfurter Wohnhaus Friese mit Szenen zu Gedichten von Goethe (verbrannt). 1862 in Paris bei Thomas Couture, danach in London als Porträtist tätig. 1866 Reise über Berlin, Dresden, Prag nach Wien, wo er Schwind bei den Fresken im Opernhaus hilft. 1867 geht D. für fast zehn Jahre nach Rom mit Aufenthalten in Neapel und Pompeji. Dort entsteht D.s kunsthist. Hw. über antike Wandmalerei (publ. in: W.Helbig, Wand-Gem. der von dem Vesuv verschütteten Städte Campaniens, 1868, Separatum 1869, ital. Ms. im Nachlaß erh.). In Rom 1870 ooHelene Marie von Richter. 1876 Umzug nach Frankfurt am Main, verwendet danach den Doppelnamen D. von Richter und bez. sich als Historienmaler, obwohl seine Stärke in Portr., Lsch. und Genreszenen liegt. Historienbilder tauchen im Kunsthandel nicht auf. Die erh. Portr. entstammen den 70er und 80er Jahren. 1879/80 beteiligt sich D. bei freier Szenen- und Farbwahl an der Ausmalung der Proszenium- und Foyerdecken der Frankfurter Oper nach Programm und unter Leitung von Steinle. 1892 malt er das Gem. Kaiser Wilhelm I. (verbrannt) für die Aula der Wöhlerschule ebd. Mitgl. des Freien Dt. Hochstiftes (1908 Ehren-Mitgl.), im Ver. für das HM (Ehren-Vors.), Ver. für Gesch. und Altertumskunde (1910 Ehren-Mitgl.), der städt. Komm. für Kunst- und Altertumsgegenstände, der Frankfurter Künstler-Ges. und des KV, u.a. als Stifter von Gemälden. Kunsthist. Studien widmen sich u.a. der ma. Kirchenmalerei, bes. Jörg Ratgeb (Mitt. an die Mitgl. des Ver. für Ges. und Altertumskunde in Frankfurt am Main 6:1880/81, 421-474, Ann. des Ver. für Nassauische Altertumskunde und Gesch. 28:1896, 287-291), Philipp Uffenbach (Arch. für Frankfurts Gesch. und Kunst 7:1901) und die Maler-Fam. Fyoll (ibid. 5:1896, 55-130). 1887 arbeitet er an der Schwind-Ausst. des Freien Dt. Hochstifts (malt u.a. zwei Portr. von Schwind) und stellt Zchngn von Schwind aus der eig. Slg für eine Ausst. in Berlin zur Verfügung. 1904 schreibt er den Kat. zur Ausst. des Frankfurter KV zum 100. Geburtstag von Grillparzer, den er bereits 1891/92 porträtierte. Ausz.: 1893 Ehren-Mitgl. der Dt. Ges. zur Förderung rationeller Malverfahren, 1898 Prof., 1908 kgl. Kronenorden. In den 1850er Jahren löst sich D. von relig. Themen (u.a. Engel- und Christusbilder). Die Historienbilder (Theodor Körner verwundet im Wald liegend, 1849, Die Lützower an der Leiche Th.Körners, 1851, beide ehem. Dresden, verbrannt) gehören zur Ereignismalerei. Besuche bei D. von Lsch.-Malern (Gebrüder Metz, Johann Hermann Gottlieb Klose, Emile Bourcart, August Riedel), Studiengenossen (Frederick Leighton, Tobias Andreae) u.a. Künstlern (Alfred Rethel, Eugen Eduard Schäffer, Carl Gottfried Pfannschmidt) haben ihn vermutl. dazu angeregt, volkstüml. Motive aus der Campagna oder der Antike darzustellen: Satyr und Nymphen, auf der Jagd ausruhend (1863), Isola bella (1870), Abend vor dem Herkulaner Tor, Weinkneipe in der via di Mercurio in Pompeji (1871), Traubenaustreten auf Ischia (1872), Abendszene in den Abruzzen, Angedrohter Kleiderraub am Strand von Sorrent (1874), Fischerpaar und Gesang des Meergottes Triton (1875). Immer bleibt die Strichführung mit Pinsel oder Bleistift zart und flüchtig. Die ihm vorgeworfene "flaue Malweise" ist im Urteil zu hart. Allerdings reicht seine "Nachahmungskunst" nicht aus, um Mittelmäßigkeit zu überwinden.
WERKE BAD SODEN, SM: Christusbild, um 1856 (ehem. ev. Kirche). DRESDEN, Kpst.-Kab. FRANKFURT am Main, Alte Oper: Loreley singt dem Vater Rhein ein Lied, Gem. der Supraporte über dem Proszenium. – Senckenberg. Stiftung, Portr.-Slg: Portr. Wilhelm de Neufville. – HM: drei Selbst-Portr., 1849, 1876, undat., Baron A.von Reinach, um 1870, Frau Senator Siebert, 1877, L.Schreyer als Kind, 1878, zwei Aqu., 1849, 1906 (eig. Villa), M.von Schwind, J.Stockhausen und Senator A.H.E. von Oven, zahlr. Zchngn., u.a. Frankfurter Friedensvertrag, Entwurf, Skizzen nach Malereien von J.Ratgeb. – Städel: F.Gregorivius, 1876, Chr.A.Schreyer, 1888. – Univ.-Bibl.: Nachlaß mit zahlr. anatom. Zchngn, 1843, Kopfstudien, Frauen-Portr., botan. Bilder, 1857-61, Ruinenansichten, 1858-62, dt. und frz. Lsch.-Zchngn. – Gal. und Kunstantiquariat Joseph Fach: Buchtitel, Bleistiftskizze, 1878.
SELBSTZEUGNISSE Über Technisches in der Malerei der Alten, insbesondere in deren Enkaustik, Ffm. 1885, O.D./A.Riese, Heddernheimer Ausgrabungen. Die Heddernheimer Brunnenfunde, Ffm. 1885, Moritz von Schwindt's Thätigkeit in Frankfurt am Main, Dt. Monatsschrift für das gesamte Leben der Gegenwart 3:1904(6)811 ss., An Adolf Schreyer zu seinem 70.Geburtstag am 9.7.1898, Ffm. 1898.
AUSSTELLUNGEN G: 1900, '02, '05 Frankfurt am Main, KV: Jahres-Ausst. Frankfurter Künstler.
BIBLIOGRAPHIE ThB9, 1913 (Lit.). Ries, 1992, W.Klötzer (Ed.), Frankfurter Biogr., I, Ffm. 1994, Schweers I, 1994. – A.Rosenberg, Gesch. der mod. Kunst, II, 1887, Alt-Frankfurt 3:1911, 5:1913, 95, Franfurter Nachr. v. 14.11.1911, Gem. Frankfurter Meister des 19.Jh. ..., Versteigerungs-Kat. des Frankfurter KV v. 4.4.-8.4.1913, Kriegsgabe der Frankfurter Künstler. Verz. der von der Frankfurter Künstler-Ges. zu Gunsten der Kriegsfürsorge unentgeltl. gestifteten Original-Kunstwerke (K KV), Ffm. 1914, H.-J.Ziemke, Die Gem. des 19.Jh. (K Städelsches Kunst-Inst.), I, Ffm. 1972, Frankfurter Allg. Ztg v. 19.5.1978, Frankfurter Maler, II (K Gal. und Kunstantiquariat Joseph Fach), Ffm. 1982, A.Wiederspahn/H.Bode, Die Kronberger Malerkolonie, Ffm. 1982, U.-N.Kaiser, Jerg Ratgeb. Spurensicherung, Ffm. 1985 (Kleine Schr. des HM Frankfurt am Main, 23), Edward Jakob von Steinle. Zum 100. Todestag (K Gal. und Kunstantiquariat), Ffm. 1986, Billcliffe I, 1990, E.Kotera-Feyer, in: Begegnungen. Frankfurt und die Antike (Festschr. Hans von Steuben), Ffm. 1994, Portr.-Slg der Dr.Senckenberg. Stiftung (K), Ffm. 2000. – Frankfurt am Main, Stadt- und Univ.-Bibl.: Nachlaß.
Ellen Kotera-Feyer
- Tätig im
- 19. Jahrhundert
- Tätigkeit
- Maler · Radierer
- Geboren
- 1828 in Frankfurt am Main, Deutschland
- Gestorben
- 1911 in Frankfurt am Main, Deutschland
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